Als Symbol für das Leben, Sinnesfreuden oder gar für die Dreifaltigkeit – der Hase hoppelt schon seit Jahrhunderten durch die internationale Kulturgeschichte. Als Bild an die Wand gebannt taucht er in der Kunst bereits vor 19.000 Jahren in der Höhle von le Gabillou auf. Prominent platziert wurde er vor allem in der Antike, wo er es als Attribut an die Seite von Aphrodite, der Göttin der Liebe, Schönheit und sinnlichen Begierde, schaffte. Letzteres eine Zuschreibung, die sich auf das Langohr übertrug und es im Laufe der Geschichte nicht nur aufgrund seines vorzüglichen Geschmacks in so manchen Schmortopf geraten ließ. Vom Verzehr der Leporidae – so sein lateinischer Familienname – hoffte man sich nicht nur ein erfolgreiches Liebesleben, sondern auch eine positive Wirkung im Hinblick auf die Erzeugung von Nachkommen. Schon Aristoteles ordnete den Hasen als eines der fruchtbarsten Tiere überhaupt ein. Mit drei bis vier Würfen im Jahr verfügt er auch heute noch über ein enormes Fortpflanzungspotenzial. Besonders im Frühjahr feiern die sonst ihr Leben als Einzelgänger zubringenden Vierbeiner ausgelassene Hochzeiten. Eine Tatsache, die ihn auch bei den Germanen zum Fruchtbarkeitssymbol an der Seite der Frühlingsgöttin Eostrae (Ostara bei Jacob Grimm) in Erscheinung treten ließ.

Symbol der Auferstehung

Selbst wenn der Glaube an eine Göttin mit einem solchen Namen heute in der Wissenschaft als umstritten gilt, Frühlingsfeste spielten und spielen nicht nur in der germanischen Kultur als Fest der Auferstehung der Natur nach dem Winter eine wichtige Rolle. Die christliche Osterfeier fällt als Fest der Auferstehung Jesu auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Und gerade wenn es um den Mond geht, hat der Hase einen weiteren seiner großen Auftritte. So vermeinen viele Kulturen im Schatten des Mondes das Bild eines Hasen zu erkennen. Als Tier, das selbst sein Leben opferte, indem es in die Flammen des Lagerfeuers sprang, um den Gott des Himmels zu bewirten, hat er sich in die japanische Mythologie eingeschrieben. Gerührt von seiner Tat nahm der Gott ihn mit zum Mond, wo er in der chinesischen Mythologie als Begleiter der Mondgöttin in einem Mörser das Elixier des ewigen Lebens stampft.

in der christlichen Religion wird der Hase (aufgrund eines Übersetzungsfehlers eigentlich ein Klippschliefer) in der Bibel zum Sinnbild des schwachen Menschen, der beim Felsen Christus Schutz sucht. Auch seine Eigenart, so zu wirken, als würde er mit offenen Augen schlafen, kann sinnbildlich für die Überwindung des Todes beziehungsweise als Zeichen für das dauernd am Leben Teilnehmen gelesen werden.
Hier trifft sich der Hase mit dem Ei, das im Christentum als das Symbol für die Auferstehung steht. Schon in der Bibel ist die Rede vom Aufbrechen des Grabes Christi wie ein Ei. Der Brauch, Eier zum Osterfest zu färben und zu essen, steht im direkten Zusammenhang mit der Fastenzeit. Nachdem es in dieser Zeit verboten war, Eier zu sich zu nehmen, hatte sich ein enormer Stau gebildet. Um die Eier länger haltbar zu machen, kochte man sie mit natürlichen Farbstoffen, um sie von den nicht gekochten unterscheiden zu können. Als eines der ältesten Ziermotive, die man auf den Eiern anbrachte, wird das Dreihasenbild betrachtet. Dabei handelt es sich um drei im Kreis angeordnete Hasen, die mit nur drei Ohren dargestellt sind. Durch die Kreisform entsteht der Eindruck als hätte jeder Hase zwei Ohren. Forscher sehen darin die ersten Verbindungen des Hasen mit dem Osterei.

Späte Karriere als Osterhase

Dass der Hase die Eier auch legt, sie bemalt und im Garten versteckt, ist ein Glaube, der für das 17. Jahrhundert erstmals schriftlich belegt ist. Ein erster Eintrag dazu findet sich vom Heidelberger Arzt Johannes richier in seiner Dissertation, in der er vor dem Konsum zu vieler Eier warnt. Entwickelt dürfte sich der Brauch des Eierversteckens in protestantischen Kreisen haben. Man stand der katholischen Eierweihe skeptisch gegenüber, um jedoch nicht ganz auf Ostereier verzichten zu müssen, überlegte man sich einen spielerischen Umgang. Dass es ausgerechnet der Hase wurde, der die Eier brachte, mag zum einen damit zusammenhängen, dass diese zu Frühjahrsbeginn vermehrt in der Nähe von Dörfern nach Nahrung suchten. Zum anderen haben Hasen die Angewohnheit, bei Gefahr still in einer Mulde zu verharren und in letzter Minute davon zu hoppeln, was als den Eindruck erwecken könnte, als ob dieser Eier lege.

Seinen endgültigen Sprung zum Superstar schaffte der Hase im 19. Jahrhundert, als eine Methode entwickelt wurde Rübenzucker industriell herzustellen und der Markt mit Osterhasen aus Schokolade überschwemmt wurde. Es galt jedoch zuvor noch einige Konkurrenten aus dem Feld zu drängen. So heißt es in einigen Schweizer Dörfern nach wie vor, der Kuckuck brächte die Eier, während man in anderen Regionen lange Zeit den Fuchs oder den Storch als Eierlieferanten betrachtete. in Tirol legte die Osterhenne die Eier ins Nest und in Kärnten sagt man, wenn die Glocken am Gründonnerstag verstummen, seien sie nach Rom geflogen,um die Ostereier zu holen und sie bei ihrer Rückkehr in die Wiese zu werfen. Auch der Osterhase hat mittlerweile einen weiten Weg zurückgelegt – deutsche Einwanderer brachten ihn über den Atlantik, wo er dank der amerikanischen Filmindustrie seinen Weg in den einen oder anderen Blockbuster fand. In „HOP – Osterhase oder Superstar?“ begab er sich nach Hollywood, um als Schlagzeuger Karriere zu machen.

Geschrieben von Sandra Schäfer