Es gibt bekanntlich mehr „Dinge zwischen Pimmel und Himmel“ als jene, die sich in der unmittelbaren Umgebung ereignen. Manchmal muss man einfach nur mal eine oder mehrere Bezirksgrenze(n) überspringen und schon ist man in einer anderen Welt – raus aus der eigenen Bubble, raus aus der vor Positivity strotzenden Comfort-Zone. In der neuesten Film-Theater-Mash-Up-Produktion des Off-Theaters geht es, inspiriert von Greta Gerwig und Elfriede Jelinek, vom siebten Bezirk in die vermeintlich archaischen Gefilde eines Wiener Randbezirks. Dorthin, wo man als Mann noch ungeniert sein Glied zum Weitornanier-Wettbewerb zücken kann, wo das weibliche Personal für einen „hakelt“ und wo ein Kind nach dem anderen aus dem an der Registrierkassa stehenden Frauenkörper flutscht. „Billig und willig“ wird hier beim „HofHer“ – dem Discounter für die (Waren-)Bedürfnisse der Frau – geschuftet. Das Zepter schwingt, wenn, zumeist auch nur aus der Ferne, „Superprolo-Ken“ (wie könnte es anders sein: Off-Theater-Master-Mind Ernst Kurt Weigel mit flottem Spruch auf den Lippen) als Chef der Supermarktkette. Nur ungern steigt dieser von seinen an eine Spielzeugverpackung erinnernden Sockel und begibt sich in die in rosa gehaltenen Niederungen seines kleinen Konsumimperiums.

Doch was tun, wenn die Dinge nun mal nicht so laufen, wie sie sollen, und Influencerin Babsie mit ihrem (noch) „Nice-Ken“ und mehreren Tausend Followern im Gefolge den Betrieb durcheinanderzubringen droht? Ganz einfach: Man mache sich die feministische Content-Kreatorin für seine Zwecke zu eigen! So laufen die Dinge in Folge für Babsie-Barbie tatsächlich anders als gedacht. Immer mehr gerät sie in die Abhängigkeit von Superprolo-Ken, obwohl sie doch eigentlich ihre pop-feministische „Babsieland“-Power außerhalb der eigenen Filterblase versprühen wollte. Inszenierter Social-Media-Auftritt trifft auf Realität und man erkennt: Der Feminismus ist in einer kapitalistischen Welt zur Ware degradiert. „Während Gendergerechtigkeit proklamiert und äußerlich gelebt wird, bleiben die Schlüsselpositionen weiterhin männlich dominiert (…) Dass ein eigenes Einkommen eine Frau zur Gleichbehandlung und Unabhängigkeit führen wird, scheint wie ein Märchen aus einer fernen Zeit“, weiß Regisseurin Sophie Resch, die als Mitglied des „bernhard.ensembles“ (nach ihrem Regie-Debüt 2024) zum ersten Mal ein Mash-up im Off-Theater in Szene setzt. Gemeinsam mit dem Ensemble wurde ausgehend von der Grundstimmung des Barbie-Films ein rund 100-minütiges Theatererlebnis kreiert. Viel wird in diesem gekreischt, die Mimik oftmals ins Grimassenhafte gesteigert und sich in bewusst geschmacklosen rosafarbenen Kostümen auf Boden und Tischen dem Zusammenbruch entgegengewälzt. Das mitunter unterhaltsam gestaltete körperbetonte Spiel der Akteurinnen (neben Christian Kohlhofer als Nice-Ken sind die Tänzerinnen und Performerinnen Leonie de Wahl, Yvonne Brandstetter und Ylva Maj in Doppelrollen zu erleben) zählt zum großen Plus dieses sonst wenig an Überraschung bietenden Abends. Rina Juniku verbringt als Babsie die meiste Zeit auf den Zehenspitzen und „hält die Beine steif“, während sich die anderen Schauspielerinnen im Dienste des kapitalistischen Systems an der Registrierkassa verrenken. Und über all dem leuchtet das blondierte Haar von Superprolo-Ken im Scheinwerferlicht einer „schönen“, sich alles einverleibenden Warenwelt.

Was geschah, nachdem Barbie ihren Ken…?
Ein Mashup inspiriert von Elfriede Jelinek & Greta Gerwig
Termine: 7., 10., 11., 14., 17., 18., 21., 24., 25. und 28. April sowie 5., 8., und 9. Mai 2026 (jeweils 20.00 Uhr)
Uhr White.Box im Off Theater Kirchengasse 41, 1070 Wien
www.off-theater.at www.bernhard-ensemble.at www.off-theater.at

Titelbild: © Walter Mussil



Geschrieben von Sandra Schäfer