Die Motive des Mitte des 16. Jahrhunderts geborenen italienischen Künstlers der Spätrenaissance Giuseppe Arcimboldo zählen mitunter zu den weltweit bekanntesten – auch wenn sie vielen oftmals nicht in der originalen Komposition des Künstlers, sondern in einer der unzähligen Adaptionen schon einmal unter die Augen gekommen sind. Vor allem seine Arrangements aus Blumen, Früchten oder Tieren, die er kunstvoll zu Portraits von bekannten Personen gestaltete – darunter beispielsweise eine Darstellung von Kaiser Rudolf II. aus diversen Feldfrüchten – zählten und zählen für viele (Künstler) zur Inspirationsquelle.
Nichts geht jedoch bekanntlich über das Original und so lohnt es sich diese im Kunsthistorischen Museum näher unter die Lupe zu nehmen. Neben dem Portrait Rudolf II. kann das Museum unter anderen auch mit einer allegorischen Darstellung des Sommers aufwarten. Dabei handelt es sich um einen so genannten Kompositionskopf, den Arcimboldo bereits im ersten Jahr seiner Tätigkeit am Wiener Hof schuf.

Wirken für die Habsburger

Rund 25 Jahre sollte er zunächst im Auftrag Kaiser Maximilians II. und später Rudolfs II. stehen. Warum Arcimboldo an den Wiener Hof berufen wurde entzieht sich heute allerdings der Kenntnis – zu wenige Werke sind von ihm vor dieser Zeit in Italien bekannt. Fest steht jedoch, dass es Arcimboldo gelang, sich mit seinen Arbeiten für das Haus Habsburg einen hervorragenden Ruf anzueignen. Zunächst mit der Kopie diverser Herrscherportraits der Familie betraut, war er bald auch als künstlerischer Berater aktiv. Legendär sollen vor allem seine Maskenumzüge gewesen sein, die er aus diversen Anlässen – wie zum Beispiel die Hochzeit von Erzherzog Karl von Innerösterreich mit Maria von Bayern 1571 – inszenierte. Die Habsburger wurden darin nicht nur als Gebieter über diverse Länder und Elemente gewürdigt, sondern in Form eines abendlichen „Fest der Gestirne“ gar zu Herrschern des Universum stilisiert.
In diesem Kontext, der Machtrepräsentation, ist auch jenes Portrait Rudolf II. zu sehen – als eine Hommage an einen Kaiser unter dem die Welt blüht und gedeiht.

Wirft man einen Blick auf Arcimboldos „Sommer“ lassen sich jedoch auch hier in dieser vermeintlich unschuldig-spielerischen Darstellung diverse Verweise auf die Herrschaft der Habsburger finden. So ist ein Maiskolben als Ohr nicht nur eine interessante kompositorische Lösung, sondern kann zugleich als Anspielung auf die über die spanische Linie der Habsburger ausgeübte Macht in Südamerika gelesen werden. Ebenso verweist der Orden vom goldenen Vlies und das in Ohren und Nase wiederaufgenommene Feuereisen im – dem „Sommer“ zumeist gegenüber gehängten – Kompositionskopf „Feuer“ auf das Herrscherhaus.
Der Elementezyklus, in dem das Bild eingeordnet ist, entstand drei Jahre nach dem Jahreszeitenzyklus. Sowohl die vier Elemente-Bilder als auch jene der vier Jahreszeiten wurden Kaiser Maximilian zu Neujahr 1569 gewidmet. Dieser erkannte das Potenzial „einer hofgemäßen, wirksamen Propaganda seiner humanistisch orientierten Herrschaft“ (so Sylvia Ferino-Pagden im Katalog zur Arcimboldo-Ausstellung im KHM 2008) und ließ Kopien davon sogleich für befreundete Regenten anderer Häuser anfertigen. Charakteristisch für seine Darstellung ist auch hier die Genauigkeit mit der er zu Werke schritt. So ging den Bildern eine genaue Studie der Natur voraus. Während sich jedoch bis heute im Louvre eine komplette Serie der vier Jahreszeiten erhalten hat, laden im KHM heute neben den Elementen „Feuer“ und „Wasser“ nur mehr „Sommer“ und „Winter“ zur Betrachtung ein. Doch es gibt Unterschiede zu jenen im Louvre: wer genau hinschaut, kann im Ärmel des aus Ähren bestehenden Kleides des Sommers jeweils die Jahreszahl der Entstehung erkennen. 1563 steht in Wien geschrieben.

Sommer
Lindenholz, 67 cm x 50,8 cm
Signatur: Bez. auf dem Kragen und Schultern: GIVSEPPE ARCIMBOLDO. F. 1563
Beschriftung auf der Rückseite: 1563 AESTAS
www.khm.at

Geschrieben von Sandra Schäfer