Fünf Jahre hat es gedauert, doch nun ist es online: das „erste virtuelle Gedächtnis über den Weltkünstler“. Erarbeitet wurde es von der Klimt-Foundation in Kooperation mit zahlreichen Institutionen – von der Albertina über das Wien Museum bis hin zur Österreichischen Nationalbibliothek und dem Belvedere – die für das Projekt noch einmal ihre Archive durchforsteten. Rund 900 eingescannte Autografen, über 400 Fotografien und rund 250 Werke wurden allein in den Bereich der Forschungsplattform, der in drei Sektionen aufgeteilten Datenbank, eingepflegt. Die Materialien können nach (kostenloser) Registrierung für jeden frei zugänglich abgerufen werden. Entstanden sei ein „engmaschiges Netz“ an Dokumenten und Informationen, erklärt Sandra Gradisnik von der Klimt-Foundation. „Mit der Datenbank setzen wir neue Maßstäbe in der Digitalisierung und Aufbereitung von wissenschaftlichen Inhalten und Quellen und unterstützen damit weltweit die Klimt-Forschung“, betont der Direktor der Klimt-Foundation, Peter Weinhäupl.

Für alle, die sich einen Überblick über Leben und Werk des Künstlers in den (bewusst magazinhaft gestalteten) Bereiche der Datenbank „Klimt Werk“ und „Netzwerk Wien 1900“ verschaffen wollen, bietet die neue Datenbank auch abseits von Forschungsinteressen umfangreiche Informationen an. Nachgelesen werden kann hier unter anderem zu rund 350 Persönlichkeiten, die mit Klimt in Verbindung standen (und stehen) – von Förder*innen über Künstlerkolleg*innen bis hin zu seinem privaten und familiären Umfeld. Darunter beispielsweise auch Ursula Ucicky (geb. Kohn), die nach dem Tod ihres Mannes – dem unehelichen Sohn Klimts, Gustav Ucicky – dessen Klimt-Sammlung erbte und zusammen mit Peter Weinhäupl 2013 die Klimt- Foundation ins Leben rief.

Der als Filmregisseur bekannt gewordene Gustav Ucicky („Café Elektric“ 1927) soll, so erfährt man, zu seinem Vater jedoch kein besonders intimes Verhältnis gehabt haben, auch wenn er diesen des Öfteren in der Josefstädter Straße 21 besucht haben soll. Klimt nützte den hier situierten Gartenpavillon in den Jahren von 1892 bis 1911 als Atelier. In seinem Josefstädter Künstlerdomizil entstand unter anderem das berühmte Portrait von Moritz Nähr, das den Künstler im Malerkittel mit einer Katze zeigt. Im Garten des Hauses – zu dessen prominenten Bewohner heute der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer zählt – sollen sich zu Zeiten des bekennenden Katzenliebhabers bis zu zehn Exemplare der Gattung Felidae herumgetrieben haben. Idylle bot sich dem Künstler auch in seinem Atelier in der Feldmühlgasse 11 (ehemals Nr. 9), das Klimt im Anschluss bezog und das noch heute zu besichtigen ist. Hier arbeitete der Künstler unter anderem die Gemälde „Adele Bloch-Bauer II“, „Friederike Beer“, „Die Braut“ und „Adam und Eva“. Auch wenn das Gebäude im Laufe der Zeit wesentlichen Veränderungen unterworfen wurde, so blieben zumindest die Atelierräume im Innern mehr oder weniger erhalten.

Seine Werke

Nicht in die Gegenwart geschafft haben es, nebst einiger der Arbeitsstätten Klimts sowie sein Geburtshaus in der Linzer Straße 247, auch manche Kunstwerke. Darunter beispielsweise die berühmten, Skandal auslösenden, Fakultätsbilder, die 1945 im niederösterreichischen Schloss Immendorf verbrannten. In Wien warten dennoch zahlreiche Museen mit Werken von Klimt auf – und dies in einigen Fällen gar als Bestandteil der Architektur des Hauses. So gestaltete Gustav Klimt gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Klimt und beider Freund und Kollegen, Franz Matsch, im Kunsthistorischen Museum Zwickel- und Interkolumnienbilder im Stiegenbereich. Inspirieren ließ sich Klimt von der Kunst der Hochrenaissance, der griechischen und römischen Antike sowie ägyptischer Kunst. Die Arbeiten waren nicht sein erster Auftrag als Dekorationsmaler. Erste Lorbeeren verdiente sich Klimt mit seiner Künstlercompagnie 1886 bei der Deckengestaltung des Burgtheaters (den Zuseherraum des alten Burgtheaters verewigte er vor dessen Abriss 1888 mit einer Vielzahl von Prominenten im Publikum).
Zu seinen bekanntesten großformatigen Arbeiten zählt aber zweifellos das Beethoven Fries, das 1902 als Teil der als Gesamtkunstwerk inszenierten XIV. Ausstellung der Secession um die von Max Klinger geschaffene Beethoven-Skulptur zu Ehren des Musikgenies in der Wiener Secession aufgestellt wurde, wo es heute noch zu bewundern ist. Das Werk gilt, laut Marian Bisanz-Prakken in „Der Beethovenfries von Gustav Klimt und die Wiener Secession“, als Schlüsselwerk in der Entwicklung des Künstlers.

Zu Klimts Meisterleistungen zu rechnen ist auch das Fries im Brüsseler Palais Stoclet. Auch wenn dieses nicht in Wien zu besichtigen ist, so haben sich die Entwürfe dazu bis heute im MAK (Museum Angewandter Kunst) erhalten. Es handelt sich dabei um kunstvolle, zum Teil mit Blattgold und Platin ausgeführte neunteilige Entwurfszeichnungen auf Transparentpapier.

Klimt Zeichnungen

Ebenfalls einen starken Klimt-Bezug hat auch das Wien Museum aufzuweisen. Die Gemälde „Portrait Emilie Flöge“ und „Pallas Athene“ zählen zu den Top-Leihgaben, die das Wien Museum zu bieten hat. Im Besitz des Hauses, das Ende 2023 wiedereröffnet werden soll, befinden sich außerdem unter anderem so außergewöhnliche Stücke wie seine Totenmaske und der einzige bis heute erhaltene Malerkittel. Zudem besitzt das Museum mit rund 400 Blättern immerhin den weltgrößten Bestand an Klimt Zeichnungen. Seine bis heute rund 4000 bekannten erhaltenen Zeichnungen zeugen nicht zuletzt davon, dass Klimt ein Künstler war, der mit dem Bleitift dachte. Die Palette erstreckt sich von thematischen Werkgruppen wie Skizzen zu den zerstörten Fakultätsbildern bis hin zu eigenständigen Meisterwerken. Die älteste in der Sammlung vertretene Zeichnung stammt aus der Ausbildungszeit des Künstlers. Es handelt sich um ein Frauenportrait, das der junge Kunstschüler vermutlich nach einer Fotografie fertigte. Man darf gespannt sein, wie das Werk Klimt hier zukünftig präsentiert wird.

Von Klimts Meisterschaft als Zeichner kann man sich ebenfalls in der Albertina ein Bild machen. Die Sammlung beherbergt Zeichnungen wie „Bildnis einer Dame mit Cape und Hut“ oder die Studien zu den Fakultätsbilder wie unter anderem „Schwebende mit ausgestrecktem Arm“ für das Fakultätsbild „Medizin“. Mit seinen enttabuisierten Darstellungen von Menschen und Gesten eckte der Künstler damals gewaltig an. Gleichzeitig beeinflusste er damit junge aufstrebende Künstler wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Die Albertina beschäftigt sich seit den 1960er-Jahren intensiv mit dem zeichnerischen Werk des Künstlers. Alice Strobl erfasste dieses komplett in einem vierbändigen Werkverzeichnis, das von der Albertina herausgegeben wurde und 2023 auch als Online-Werkverzeichnis veröffentlicht werden soll.

Nicht vergessen sollte man auf den Spuren von Gustav Klimt natürlich einen Besuch im Belvedere – wo sich unter anderem Klimts berühmtes Gemälde „Der Kuss“ befindet – sowie im Leopold Museum. Das Museum bietet mit Werken wie „Die große Pappel II (Aufsteigendes Gewitter“) auch einen hervorragenden Überblick über die Landschaftsgemälde des Künstlers, von denen viele wie der Titel des gleichnamigen Werkes verrät „Am Attersee“ entstanden. Hier verbrachte Klimt mit der Familie Flöge seine Sommerfrische. Das Museums verwahrt zudem über 200 Postkarten, die Klimt im Laufe seines Lebens an Emilie Flöge adressierte. Die Briefe, die Emilie Flöge Klimt schrieb sind heute leider nicht mehr erhalten. Mit ihrem Modesalon (vom Türschild über die Möbel bis zum Briefpapier ein Produkt der Wiener Werkstätten) oberhalb der Rahlstiege, wo heute eine Gedenktafel zu finden ist, prägte Emilie Flöge das modische Erscheinungsbild einer Epoche. Klimt selbst zeicnet für die Fotografien mehrerer Kleider mit Emilie Flöge als Model verantwortlich. Die gerne als Seelenverwandte des Künstlers titulierte Modeschöpferin und erfolgreiche Geschäftsfrau wurde mit ihrer Familie, darunter auch Helene Flöge, die mit Ernst Klimt, dem Bruder Gustavs, verheiratet war, auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet. Gustav Klimts Grabstelle kann hingegen auf dem Hietzinger Friedhof besichtigt werden.

Nähere Informationen unter:
www.klimt-database.com
www.khm.at
www.secession.at
www.mak.at
www.leopoldmuseum.org
www.wienmuseum.at
www.albertina.at

Titelbild: Gustav Klimt Datenbank © Klimt-Foundation, Wien

Geschrieben von Sandra Schäfer