Dem Geniekult des Bürgertums verpflichtet ziert das Beethoven-Denkmal von Caspar von Zumbusch den Beethovenplatz. Das Musikgenie wird in sitzender Pose majestätisch auf seinem Sockel thronend dargestellt. Sein Kopf ist zu Prometheus geneigt, während auf der anderen Seite Viktoria den Siegeskranz emporhält. Nach dem Historiker Stefan Riesenfellner stilisierte der bürgerliche Stifterkreis des Denkmals neben deutschnationalen und lokalpatriotischen Aspekten – Beethoven hatte immerhin 35 Jahre seines Lebens in Wien verbracht – auch „sein soziales Selbstbewusstsein, frei nach seinem anekdotischen Ausspruch `Fürsten gibt’s viele, Beethoven nur einen“. Beethoven wurde zur Projektion- und Identifikationsfläche – zum besten „Freund der Leidenden“, wie Romain Rolland in seiner Biografie 1903 schrieb. 2020 feiert die Welt und mit ihr Wien den 250. Geburtstag des Musikgenies mit einer Vielzahl an Veranstaltungen.

Beethoven im Museum

Dass sich Beethoven als vermeintlich durchs Leben grantelnder Einzelgänger durchaus mit Humor im Kreise ausgewählter Verbündeter den Tücken seines Alltags zu stellen wusste, erzählt die Ausstellung „Beethoven. Menschenwelt und Götterfunken“ in der Österreichischen Nationalbibliothek. Noch bis 8. März 2020 ist im Prunksaal nicht nur das Originalmanuskript der 9. Sinfonie zum ersten Mal in einer Ausstellung in Österreich zu sehen, sondern ebenso eine Vielzahl historischer Dokumente, die den Künstler im Netzwerk seiner Freunde, Bekannten und Gönner präsentieren. Nachzulesen ist mitunter eine Anekdote bezüglich der Bitte Beethovens an eben diese leserliche Briefadressen für ihn zu schreiben – kamen seine Briefe aufgrund seiner unleserlichen Schrift oftmals nicht an. Zudem wechselte er häufig seine Postadresse. Über 60 Wohnadressen zeugen von seinen zahlreichen Umzügen.

Eine Gewohnheit, die sich in Wien nicht nur an den zahlreichen Gedenktafeln an diversen Hausmauern spiegelt, sondern auch am Vorhandensein mehrerer Beethoven-Museen in der Stadt. Unter diesen befindet sich auch das so genannte Pasqualatihaus (benannt nach seinem Gönner Johann Baptist Freiherr von Pasqualati) auf der Mölker Bastei. Hier verbrachte Beethoven acht Jahre seines Lebens und komponierte unter anderem das kleine aber wohlbekannte Klavierwerk „Für Elise“.

Wenn auch kein Musikwerk, doch nicht minder bekannt, ist das so genannte „Heiligenstädter Testament“ – ein an seine Brüder verfasster, doch nie abgeschickter Brief, in dem Beethoven von der Verzweiflung über seine Taubheit spricht. Entstanden ist dieser in der Döblinger Probusgasse, in der heute das Beethoven Museum untergebracht ist. Auf 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird hier in sechs Stationen dem Leben des Genies nachgespürt. Nach Döbling gezogen war der ertaubende Musiker, weil er sich wie viele andere Kurgäste von den hier in der Umgebung befindlichen Badeanstalten eine Linderung seiner Leiden erhoffte. Im Museum zu sehen ist unter anderem das Hörrohr des Komponisten. Vom 20. bis 28. Juni 2020 werden zudem im Rahmen eines Beethoven-Festivals Konzerte, Expertengespräche sowie Spezialführungen in Deutsch und Englisch angeboten.

Mit Spezialprogrammen warten aber auch andere Museen auf. Die Liste reicht von einer im Frühjahr und Sommer 2020 präsentierten Schau des Kunsthistorischen Museums Wien (in Kooperation mit dem Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien) bis hin zur Sonderausstellung im Leopoldmuseum, die sich ab 30. Mai dem von Beethoven inspirierten Bildprogramm für das Musikzimmer des Schmuckfabrikanten Scheid widmet. Das im Leopoldmuseum rekonstruierte Musikzimmer von Josef Maria Auchentaller „steht idealtypisch für die Beethovenverehrung der Künstler der Wiener Secession um 1900“ heißt es dazu in der Ausstellungsvorschau.

Aber auch die Wienbibliothek im Rathaus sowie das Theater an der Wien warten mit Sonderausstellungen auf. Während sich die Wienbibliothek ab 28. Februar Beethoven und seinen Verlegern annimmt, wirft das Theater an der Wien – immerhin das einzige, an dem Beethoven je engagiert war – einen Blick auf die Erinnerungskultur.

Beethoven on Stage

Was wäre jedoch ein Opernhaus, würde man sich dem Meister im Jubiläumsjahr nicht auch auf der Bühne nähern. Dementsprechend befindet sich Beethovens einzige Oper „Fidelio“ (in der Regie von Christoph Waltz – zu sehen ab Mitte März) heuer auf dem Spielplan. Aber auch in der Staatsoper nimmt man sich dieses Jahr der Komposition an. Nicht ohne Grund – so wurde die 1945 durch Bombentreffer zerstörte Staatsoper mit diesem Werk 1955 erneut eröffnet. Ebenfalls mit dem Schaffen des Komponisten auf besondere Weise verbunden, ist der Musikverein. Beethovens Fünfte tönte einst als krönender Abschluss zum Eröffnungskonzert 1870 durch den Saal. 2020 wartet das Haus unter anderem mit einem „Beethoven-Zyklus“ von Rudolf Buchbinder auf.

Vollkommen anders geartet dürfte zum Vergleich das Konzert der Gruppe „DAGAMBA“ werden. Die Rockband wird am 30. Mai Beethoven mit der Metalband Rammstein zusammenführen. Dass man im Beethovenjahr auch vor weiteren Crossover-Projekten nicht halt macht, beweist das Projekt „Musikfrachter“, bei dem Beethovens Musik während einer Donaufahrt auf die Dichtkunst des Poetry Slams trifft. 2020 dürfte also vermutlich für jede/jeden etwas dabei sein: vom Wettstreit zwischen dem Klaviertrio des Sinfonieorchesters der Studierenden der „Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK)“ im Radiokulturhaus über die Auftritte der Wiener Sängerknaben in der Hofburgkapelle bis hin zum Stadtspaziergang auf den Spuren des Genies und Klavierabenden im Wiener Konzerthaus. Und wer sich hier im Foyer umschaut, wird alsbald auch auf ein Abbild des Meisters treffen. Ziert das für die Pariser Weltausstellung angefertigte (und mit einer Goldmedaille prämierte) Gussmodell des eingangs erwähnten Wiener Beethoven-Denkmales heute das Foyer des Konzerthauses.

Mehr Informationen sowie das gesamte Programm zum Beethovenjahr unter: https://beethoven2020.wien.gv.at/site/

Titelbild: „Die Intimen bei Beethoven“: Anton Schindler, Sigmund Anton Steiner, Georg Joseph Vogler und Gottfried van Swieten; Stich nach einem Gemälde von Albert Gräfle; um 1892 – © Österreichische Nationalbibliothek

Geschrieben von Sandra Schäfer