Auch wenn damals nicht alle Wege nach Vindobona – wie Wien zur Zeit der Römer genannt wurde – führten, so hat Wien doch einiges an Geschichte aus der Römerzeit zu bieten. Mit dem 34 Kilometer entfernten Carnuntum (https://kulturfuechsin.com/at/carnuntum/) oder der keltisch-römischen Siedlung am Magdalensberg in Kärnten konnte sich das kleinere und wesentlich jüngere Vindobona an Bedeutung zwar nicht messen, aber immerhin oblag der Stadt, die zu ihrer Blütezeit bis zu 30.000 Einwohner zählte, doch eine wichtige strategische Aufgabe. Gemeinsam mit den anderen Militärlagern, die die Römer entlang des so genannten Donaulimes errichteten, diente die Befestigungsanlage der Abwehr feindlicher Stämme, die immer wieder über die Donau in das Land einfielen.

Die Geschichte des römischen Vindobona beginnt mit der Stationierung eines Detachements der XV Legion aus Carnuntum, das circa ab 35-40 n. Chr. den ersten Militärstützpunkt errichtet. An jene Zeit erinnert ein Grabstein eines Soldaten, der zum ersten lateinischen Schriftdenkmal wurde, das in Wien gefunden wurde.

Zum Standort einer eigenen Legion sollte Vindobona schließlich unter Kaiser Trajan (98-117 n. Chr.) im Zuge der Verstärkung des Limes werden. Auf dem Gebiet des heutigen ersten Bezirks wurde ein Lager aus Steinquadern errichtet, das neben der so genannten das Lager umgebenden „Cannabae Legionis (Militärstadt)“ auch von einer eigenen Zivilstadt (im heutigen dritten Bezirk Landstraße) mit Lebensmitteln versorgt wurde. Zudem waren die Familien der Soldaten in der Zivilstadt untergebracht. Bei den Häusern, die sie bewohnten, dürfte es sich zumeist um einfache Fachwerkbauten gehandelt haben. Obwohl es auch hier Gaststätten, Thermen, und ein bisher nicht lokalisiertes Forum mit Tempelanlage gab – gemessen mit Carnuntum konnte das kleinere Vindobona niemals dessen Wohlstand erreichen. Als Vindobana vermutlich um 202 n. Chr. zum Municipium erhoben wurde, war es die vorletzte von elf Römerstädten auf österreichischem Boden, die das Stadtrecht erhielt. Doch „besser spät als nie“ („Potius sero quam numquam“) wie ein römisches Sprichwort besagt.

Ausgrabungsstätten – Orte der Wissensvermittlung

Wie alle römischen Städte verfügte Vindobona über ein gut ausgebautes Straßennetz sowie ein bestens ausgeklügeltes Wasserleitungssystem. Reste davon sind noch heute in der Feuerwehrzentrale am Hof im Rahmen von Terminvereinbarungen zu besichtigen. Jeder Zeit zu bewundern sind hingegen die Überreste von drei Wohnhäusern am Michaelerplatz. Die Ausgrabungen wurden von Stararchitekt Hans Hollein besonders in Szene gesetzt.

Wissenschaftler nehmen an, dass es sich bei den Mauerresten aufgrund der gefundenen Wandzeichnungen von Weinreben unter anderem um die Überreste einer ehemaligen Weinstube handeln könnte. Der Platz vor der Ausgrabung ist heute vor allem ein beliebter Treffpunkt für geführte Stadterkundungstouren.

Wer sich für die römische Geschichte interessiert, sollte auf jeden Fall auch dem Römer Museum Wien einen Besuch abstatten. Das Museum wurde 2008 eröffnet und beherbergt im Keller Überreste von zwei Tribunenhäusern des Legionslagers. Neben den Ausgrabungen in der Feuerwehrzentrale am Hof und jenen am Michaelerplatz sind diese die bedeutendsten Zeugen aus der Epoche. Originalfundstücke und neueste 3D-Technologien entführen die Besucherinnen und Besucher 2.000 Jahre zurück in die Vergangenheit. Besonders bei Kindern beliebt sind neben den Computeranimationen die 3D-Puzzles. Das Museum ist außerdem Mitglied des Vereins Museen am Donaulimes Österreich, der es sich zur Aufgabe gemacht hat das kulturelle Erbe der Römer lebendig zu halten.

Unterwegs in den Bezirken

Doch auch in Wiens anderen Bezirken lassen sich mancherorts noch Spuren der Römer ausfindig machen. So gehört Döbling zu den ältesten Siedlungsgebieten im Wiener Raum. Ausgrabungen in der Heiligenstädter Kirche belegen beispielsweise einen römischen Friedhof, während sich im Bezirksteil Sievering während der Römerzeit ein Steinbruch mit einer Arbeitersiedlung befunden haben dürfte. In unmittelbarer Nähe wurde auch ein wichtiger historischer Fund gemacht, der so genannte Mithras Altar, der das Vorhandensein des Mithraskultes für die Gegend belegt. Der Weihaltar für die ursprünglich aus dem persischen Raum kommende Gottheit, die in den römischen Götterglauben im 2. Jahrhundert Einzug hielt, befindet sich heute allerdings ebenfalls im Römermuseum im ersten Bezirk.

Aber auch wer dem Bezirksmuseum Meidling einen Besuch abstattet, kann auf Spuren aus der Römerzeit stoßen. Im ältesten Bezirksmuseum der Stadt erinnern noch heute einige der präsentierten Objekte an die Römerzeit. Darunter auch ein den Nymphen geweihter Altarstein, der in der Nähe des heutigen Theresienbades gefunden wurde und die Vermutung zulässt, dass schon die Römer die heilkräftigen Quellen von Meidling genutzt haben. (Neben dem Theresienbad gab es in Meidling bis 1976 noch ein zweites Bad, das seine Existenz Schwefelquellen verdankt: das „Pfann’sche Bad“).

Weitere interessante Museen

An der römischen Geschichte Interessierte können auch in der Antikensammlung im Kunsthistorischen Museum wertvolle Objekte aus der Vergangenheit bestaunen. Bei den meisten der hier zu sehenden Stücke handelt es sich allerdings um Ankäufe aus dem Ausland. Eines der Fundstücke aus dem österreichischen Raum ist ein Bronze-Greif aus dem 1. Jh. n. Chr. sowie ein Mosaik aus einer römischen Villa in Loig bei Salzburg, das 1815 entdeckt wurde.

Mit dem Ephesos Museum, das zahlreiche Fundobjekte aus der römischen Hauptstadt der Provinz Asia beherbergt, verfügt Wien zudem über eine weitere besondere Stätte hinsichtlich römischer Kultur.

Und last but not least lädt heutzutage auch das Internet dazu ein sich ein Bild über das antike Wien zu machen. Unter https://www.wien.gv.at/kultur/kulturgut/archaeologie/vindobona.html können sich Interessierte zu einer virtuellen Erkundungstour diverser römischer Gebäude begeben.

Die Ausgrabungen am Michaelerplatz in 360 Grad Ansicht gemeinsam mit „Andjé“, dem Streitross Alexander des Großen, das noch bis 27. Juni 2017 in Denkmalform gegenüber der Michaelerkirche verweilt.

Römer Museum
Hoher Markt 3
1010 Wien
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag & Feiertag 9.00 bis 18.00 Uhr
http://www.wienmuseum.at/de/standorte/roemermuseum.html

Bezirksmuseum Meidling
Längenfeldgasse 13-15
1120 Wien
Öffnungszeiten: Sonntag 9.30 bis 11.30 Uhr, Mittwoch 9 bis 12 und 16 bis 18 Uhr
http://bezirksmuseum.wvnet.at/default/index.php?id=138

Antikensammlung im Kunsthistorischen Museum
Hochparterre
Maria Theresien-Platz, 1010 Wien
Öffnungszeiten: Juni bis August: täglich 10.00 – 18.00 Uhr, Do bis 21.00 Uhr, September bis Mai: Di – So 10.00 – 18.00 Uhr Do, 10.00 – 21.00 Uhr
https://www.khm.at/besuchen/sammlungen/antikensammlung/

Ephesos Museum
Heldenplatz, 1010 Wien
Öffnungszeiten: Mi – So 10.00 – 18.00 Uhr
https://www.khm.at/besuchen/sammlungen/ephesos-museum/

Geschrieben von Sandra Schäfer

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