Wie schnell ein Jahr vergeht, merkt man nicht zuletzt daran, dass das eine oder andere Filmfestival erneut vor der Tür steht. Diesen Monat ist es das Vienna Independent Shorts Festival, das heuer erstmals mit seinem neuen verkürzten Namen „Vienna Shorts Festival“ seine Pforten beziehungsweise die Kinotüren öffnet. Knapp eine Woche – von 1. bis 6. Juni – dreht sich in vier ausgewählten Kinos der Stadt alles um den kurzen Film, der – das dürfte sich nach vierzehnjährigem Bestehen des Festivals und Besucherzahlen von über 10.000 Menschen mittlerweile herumgesprochen haben – nicht weniger zu begeistern vermag, als sein Bruder, der Langfilm.

Gezeigt werden dieses Jahr rund 350 Filme aus diversen Nationen von rund um den Erdball. Alleine 100 Filme werden in vier Wettbewerbschienen (Fiction & Documentary, Animation Avantgarde, Österreich Wettbewerb und Screensession) über die Leinwand flimmern. Weitere regen in den Schienen „Specials“ und „Spotlights“ (diese sind heuer den Filmemachern Alexandre Larose, Jacqueline Lentzou und dem japanischen Avantgarde-Künstler Makino Takashi gewidmet) zum Nachdenken, Staunen und gelegentlich auch zum Schmunzeln an.

Bereit für den Oscar

Besonders empfehlenswert unter den „Specials“ sind heuer die so genannten „goldenen Nächte“, die zu drei ausgewählten Terminen jene Werke zeigen, die auf diversen hochkarätigen internationalen Filmfestivals auf sich aufmerksam machen konnten. Bei den 33 Filmen, die bei freiem Eintritt über die Leinwand flimmern, handelt es sich zum großen Teil um Arbeiten, die von Akademien wie César, Oscar oder BAFTA zu den Jahresbesten gekürt wurden. Mit Maria Luz Olivares Capelles „Wald der Echos“ ist auch ein österreichisches Werk vertreten. Der Film wurde vergangenes Jahr bereits beim Österreich-Wettbewerb gezeigt und im Anschluss zum besten österreichischen Kurzfilm gekürt.

Alle Filme, die in diesem Wettbewerb laufen haben seit letztem Jahr die Gelegenheit sowie ihre Kurzfilm-Kollegen im internationalen Wettbewerb für den begehrten Oscar nominiert zu werden. Seit 2016 besitzt das Festival das Privileg ausgewählte Filme auf die Longlist für die jährliche Oscar-Verleihung zu setzen.

Porno, Katzen und Gesellschaftspolitisches

Vielleicht nicht unbedingt Material für den Oscar, aber beim Publikum nicht minder beliebt, sind jedes Jahr erneut jene Arbeiten, die als „Midnight Movies“ für gute Stimmung sorgen. Dabei handelt es sich um Trashiges („Très Chic“), Erotisches („PopPorn“) oder auch Gruseliges wie die Schiene „Nightmares“, die heuer von den Machern des Kurzfilmfestivals in Uppsala kuratiert wurde. Als weiteres Gastfestival ist das Internationale Kurzfilmfestival aus Kiew in Wien mit einem Programm vertreten sowie der Wiener Verleih sixpackfilm, der ebenfalls wieder ein Gastprogramm gestalten wird.

Gemeinsam mit dem schwedischen „Uppsala International Short Film Festival“ und dem polnischen „ZubrOFFka“ wurde zudem ein Fokus zum Thema „Trust Me“ gesetzt. Das Programm möchte dazu einladen den zurzeit vorherrschenden Zweifel in gesellschaftspolitischen Belangen auszusetzten und „die Leinwand als einen Ort des Nachdenkens zu verstehen“, wie es in der Presseinformation heißt. Passend zum Filmprogramm wird es Diskussionen geben.

Diskussionswürdig, wenn auch eher im Bereich des Absurden, ist der Hype, den Katzenvideos im Internet erfahren. Das Wiener Kurzfilmfestival widmet den flauschigen Vierbeinern heuer bereits zum fünften Mal ein eigenes Screening (25./26. August im Museumsquartier). Wer es also nicht Anfang Juni zum Festival schafft, hat auch über das Jahr verteilt immer wieder Gelegenheit ausgewählte Kurzfilme – nicht nur zum Thema Katzen – zu sehen. Neuester Streich des Festivals ist das Projekt „Zoetrop“, das im Wiener U-Bahn-System realisiert werden soll. Statische Einzelbilder werden ab Herbst zwischen zwei Stationen wie im Filmprojektor durch einen „Sutter-Effekt“ und der Bewegung der U-Bahn animiert werden. Man darf gespannt sein.

Vienna Shorts Festival
1. bis 6. Juni 2017
Filmcasino (Margaretenstraße 78, 1050 Wien)
METRO Kinokulturhaus (Johannesgasse 4, 1010 Wien)
Österreichisches Filmmuseum (Augustinerstraße 1, 1010 Wien)
Gartenbaukino & philiale (Parkring 12, 1010 Wien)
Sowie an weiteren Orten der Stadt
Tickets unter www.viennashorts.com und vor Ort der jeweiligen Spielstätte

Geschrieben von Sandra Schäfer

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