Was macht ein Museum zum Museum? Eine Sammlung zu einer Sammlung? Und eine Ausstellung zu einer Ausstellung? Die Antwort mag im ersten Moment leicht klingen. Doch wie bei so vielen Dingen im Leben, erschließt sich die Komplexität erst bei näherer Betrachtung. Ein Museum ist immer mehr als ein Ort, den man besucht um etwas in Erfahrung zu bringen, eine Sammlung mehr als eine Anhäufung von Dingen und eine Ausstellung nicht bloß deren simple Präsentation.
Folgt man dem zu Beginn etwas irritierenden Titel der aktuellen Ausstellung im MUSA „ba ≠ b+a“, die dem Zehn-Jahres-Jubiläum der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Kulturabteilung der Stadt Wien an ihrem Ort in der Felderstraße gewidmet ist, so sind alle drei mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile (also nicht b+a) sondern ein Produkt (in dem Fall die Silbe ba), die ihrerseits wieder als in diversen Konstellationen einzusetzendes Baukastensystem dient. Man denke beispielsweise an die Hieroglyphen-Schrift der alten Ägypter, die als Silben wie auch als Wortzeichen (nicht zuletzt mit Hilfe von Deutzeichen) zu immer neuen Bedeutungen zusammengesetzt werden konnten. Noch heute wäre deren Entzifferung ohne den berühmten Stein von Rosette nicht möglich – die Zeichen für uns nicht mehr als hübsch anzusehen.

In gewissem Sinne mag eine Ausstellung und ein Kurator (der für die Zusammenstellung und den Sinnzusammenhang der Kunstwerke im Rahmen der Schau sorgt) so etwas wie ein vorübergehender Stein von Rosette sein, der den Besuchern hilft Ordnung in einem bestimmten Zeitraum in das Chaos der angesammelten Dinge und in die Themen unserer Welt zu bringen. Im Fall der Jubiläumsausstellung im MUSA ist es der Kurator und Journalist Franz Thalmair, der zum temporären „Ordnungsstifter“ auserkoren wurde. Anlässlich der 40.000 Objekte, die das MUSA im Laufe seines Bestehens über die Jahre angehäuft hat, kein leichtes Unterfangen. Was macht eine Sammlung aus? Welche Fragen wirft sie über die Institution auf, die sie aufgebaut hat? Und was will und kann sie uns vermitteln?

Neun Kapitel als Teile eines Ganzen

In neun Kapiteln versucht Thalmair Antworten zu geben. Diese sind für die Betrachterinnen und Betrachter mittels Begleitbroschüre nachvollziehbar. Sie erstrecken sich von den Kapiteln „Archive des Alltags (+Zufall)“ – in dem u.a. die Regenmomentaufnahmen (auf Papier mittels spezieller Beschichtung fixierte Regentropfen) von Daniel Hafner und Christian Eisenbergers (mit Leim und Lack auf schwarzen Hintergrund fixierte) Spinnennetze zu sehen sind – bis hin zur „Wertschöpfungskette“. Ein Kapitel, in dessen Rahmen Künstlerinnen und Künstler wie Arnold Reinthaler (ein in Form einer Linie prognostizierter Karriereverlauf), Barbis Ruder (sechs Performances zur künstlerischen Präsenz im öffentlichen Raum) oder Susanne Schuda (Video- und Textcollage, die das Ich als größtes Kapital in den Fokus setzen) die ökonomischen Aspekte ihres Kunstschaffens thematisieren.

Gerade für eine Sammlung, die wie das MUSA von der Stadt Wien als öffentliches Kulturgut mit Hilfe von Steuergeldern aufgebaut wurde, von besonderem Interesse: die Frage nach der Bürokratie. Dass man das Machtverhältnis zwischen öffentlicher Institution und Künstlerin beziehungsweise Künstler auch humorvoll nehmen kann, beweisen Maria Anwander und Ruben Aubrecht, die einen Absagebrief der betreffenden Kulturabteilung der Stadt Wien dieser in Form einer Schenkung vermachten.

Startgalerie und Artothek

Nicht die einzige Schenkung, die das MUSA in den letzten Jahren erhielt. Besonders im letzten Jahrzehnt der bereits in der Nachkriegszeit entstandenen Sammlung, in denen die Institution nach Jahren als so genanntes „Museum auf Abruf“ sich endlich über eigene Räumlichkeiten freuen durfte, eine steigende Tendenz, so MUSA-Leiter Berthold Ecker. In den letzten zehn Jahren durften die von den Architekten Andre Kiskan und Jacqueline Kaufmann gestalteten Räume 36 Ausstellungen beheimaten. Die ebenfalls in der Felderstraße untergebrachte Startgalerie, die jungen Künstler eine Chance bietet, bringt es mittlerweile sogar auf knapp 90 Ausstellungen.

Einen wichtigen Teil des MUSA bildet auch die Artothek, die es Firmen und Privatpersonen ermöglicht, für die eigenen Räumlichkeiten für maximal 12 Monate Kunstwerke aus einem wechselnden Bestand der Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien zu entlehnen (2,50 Euro pro Exponat und pro Monat). Eine schöne Sache. Und so könnte irgendwann auch ein Werk von Markus Schinwald (in der Ausstellung mit seinen Erweiterungen historischer Portraits vertreten) oder Anita Witek (deren massenmedial distribuiertes Bildmaterial zu neuen Bildern arrangiert derzeit ebenfalls eine Wand ziert), im eigenen Wohnzimmer hängen.

ba ≠ b+a – 10 Jahre MUSA – Aus der Sammlung der Stadt Wien
Noch bis 13. Jänner 2018
MUSA Museum Startgalerie Artothek
Felderstraße 6-8, 1010 Wien
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr, Sa 11-16 Uhr
Barrierefreier Zugang
Eintritt frei!
www.musa.at

Geschrieben von Sandra Schäfer