Passend zum 650. Jubiläum der Österreichischen Nationalbibliothek im kommenden Jahr begibt sich die Kulturfüchsin in den nächsten Wochen auf die Suche nach interessanten Ausstellungsstücke in den diversen Museen der Institution. Eine „Bildungsreise“ von der Papyrussammlung über das Literaturmuseum bis ins Globenmuseum. Eine spezielle App verspricht bis zum 28. Februar 2018 ermäßigten Eintritt in alle Museen.

Die Welt im Museum

Nur mehr wenige Teile unserer Erde sind heute nicht umfassend erforscht. Millimeter genau lassen sich mittlerweile Küstenverläufe bestimmen, Ozeane vermessen und Ländergrenzen nachziehen. Eine Terra incognita gibt es heute so gut wie keine mehr. Das war natürlich nicht immer so. Wer sich über die Geschichte der sich veränderten Grenzziehungen und der wandelnden Erscheinungsformen unseres Planeten informieren will, der ist im Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek rundherum richtig.

Mit 250 ausgestellten Exponaten von insgesamt 750 Objekten ist das Museum die weltweit umfangreichste öffentlich zugängliche Sammlung von Globen und globenverwandten Instrumenten. Mit ein Grund der modernen zeitgemäßen Präsentation – im schicken Palais Mollard gelegen – einen Besuch abzustatten. Computer, moderne Schaukästen und High-Tech Beleuchtung haben auch hier die „gute alten Erde“ ins 21. Jahrhundert katapultiert. Trotz allem: Sonderbar anmutende Instrumente und abstrus wirkende Gerätschaften versprechen auch ohne digitalen Schnickschnack durch ihre Betrachtung oder gar nur durch ihr Vorhandensein die eine oder andere überraschende Erkenntnis.

Als die Erde (noch) rund war

So harrt gleich zu Beginn beispielsweise eine detailgetreue Replik des so genannten Mainzer Himmelglobus – ein aus der römischen Antike (150 n. Chr.) stammender Metallglobus – erstaunter Besucherinnen und Besucher. Denn was viele vermutlich nicht wissen: die Kugelgestalt der Erde wurde bereits von Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) bewiesen. Eratosthenes sollte über 100 Jahre später den Erdumfang sogar erstaunlich genau berechnen. Eine Berechnung, der im Mittelalter nur mehr wenig Beachtung zu Teil wurde – erlangte die Lehre von der Kugelgestalt der Erde doch erst im 15. Jahrhundert mit der Expansion nach Übersee erneut an Beachtung.

Zu den ältesten Globen, die aus jener Zeit erhalten geblieben sind, zählt der Erdglobus von Martin Behaim aus dem Jahre 1492. Der älteste in Österreich befindliche Globus ist der Gemma-Frisius-Erdglobus, aus dem Jahre 1536, der Dank eines privaten Leihgebers auch im Museum zu bestaunen ist. Das wertvolle Objekt befindet sich im letzten Raum des Museums, dem so genannten Kabinett der Sammler und Sammlerinnen. Hier ergänzen außergewöhnliche Stücke wie der besonders niedliche Taschenglobus samt Kartenschachtel und Leporello mit Abbildungen der Erdbewohner den Bestand des Museums. Zugleich erfährt der Besucher etwas über die unterschiedlichen Motivationen der fleißigen „Welten-Sammler“. Besonders skurril mutet die Geschichte des frühen Globen Sammlers Max Vladimir Freiherr von Beck an, der 1880 eine Kiste mit „Mappamondi“ aus Italien erwartete und stattdessen eine Kiste mit der Aufschrift „Maccaroni“ erhielt. Es handelte sich hierbei allerdings lediglich um eine orthographische Verwechslung von Seiten des Zolls und Beck konnte seinen Globus unversehrt in Händen halten.
Und das, obwohl im 19. Jahrhundert Globen keine Seltenheit mehr waren. Längst wurden sie in Serien hergestellt – allerdings noch weit entfernt von jenem industriellen Massenprodukt, das der Globus Anfang des 20. Jahrhunderts infolge der Industrialisierung werden sollte.

Eine weitere Neuerung, die das 20. Jahrhundert mit sich brachte, war die Einführung diverser Thema-Globen wie Klima- oder Weltverkehrsgloben. Aber auch die Verbreitung von Mond- und Planetengloben erlebte einen regen Aufschwung.

Das Wiener Globenmuseum verfügt über eine stattliche Sammlung dieser heute eher selten gewordenen Globen. Von dezentem Beige über futuristisch glänzendes Silber bis hin zum Reliefglobus im trashigen 70er Jahre Computer-Design erstreckt sich die Palette der Modelle unseres Himmelstrabanten.

Blick in und aus dem Himmelszelt

Im Gegenzug dazu war die jahrhundertelange gebräuchliche Darstellung des Himmelszeltes, die übliche Praxis Globen paarweise als Himmels- und als Erdglobus zu liefern, bereits im 19. Jahrhundert stark zurückgegangen. Zuvor schon waren die figuralen Sternbilder durch linienhafte Darstellungen ersetzt worden und die phantasievollen Darstellungen von Tieren, Fabelwesen und Menschen auf dem Himmelsglobus verbannt worden.

Neuester Trend der Globenherstellung und -nutzung ist der digitale Globus. Google Earth liefert täglich Bilder von rund um den Erdball und macht es, überspitzt formuliert, möglich einen Blick in den Garten seiner Freundin in Südafrika zu werfen. Ein gigantischer Entwicklungssprung, wenn man bedenkt, dass vor rund 500 Jahren laut dem Globus von Gerard Mercator Japan noch auf dem asiatischen Festland lag und Italien sich in Griechenland befand.

Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek
Palais Mollard
Herrengasse 9, 1010 Wien
Öffnungszeiten: Mo-Mi. und Fr.-Sa. 10.00-14.00 Uhr, Do. 15.00-17.00 Uhr
Eintritt: 5 Euro, gratis am 6. Mai 2018
Homepage: www.onb.ac.at

Museumsgeschichte
Bereits in der Neuzeit sollen die ersten Globen in der kaiserlichen Hofbibliothek vorhanden gewesen sein. Zu den berühmtesten zählen die beiden prachtvollen Globen, die der italienische Universalgelehrte Vincenzo Coronelli Kaiser Leopold dem I. überreichte und die noch heute im Prunksaal der Nationalbibliothek zu bestaunen sind. Über ihre Geschichte informiert ein Raum im Globenmuseum. Quellenmäßig belegte Ankäufe sind ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt. Die Gründung eines eigenen Globenmuseums wurde erstmalig von Prof. Robert Haardt in der Zwischenkriegszeit vorangetrieben. Zur Eröffnung eines Museums kam es jedoch erst im Jahr 1956. 2005 übersiedelte die Präsentation ins Pallais Mollard.

Special-Tipp:
Kinderführung
Weihnachten rund um die Welt
Noch am: 2. und 6.Jänner 2018 Globenmuseum

© Fotos: Österreichische Nationalbibliothek

Geschrieben von Sandra Schäfer